Trafficverlust

Warum Traffic fällt, AI Overviews Umsatz stabil halten und welche Inhalte jetzt wirklich gewinnen.

Nach 20 Jahren bei Google hat Liz Reid eine Perspektive auf Search, die nur wenige Menschen weltweit haben. In einem Interview mit dem Wall Street Journal spricht sie über AI Overviews, sinkende Publisher-Traffic-Zahlen und die Richtung, in die sich die Google-Suche entwickelt. Das Brisante: Viele ihrer Aussagen widersprechen dem, was aktuell in der SEO-Szene als „sicheres Wissen“ kursiert. Wer verstehen will, warum Reichweite fällt, was Google wirklich misst und welche Inhalte trotz AI geklickt werden, findet hier die wichtigsten Aussagen – plus klare Ableitungen für eine Strategie, die 2026 funktioniert.

Das Wichtigste in Kürze

  • AI Overviews stabilisieren Googles Werbeumsatz, weil sie insgesamt mehr Suchanfragen auslösen.
  • Traffic-Verluste entstehen vor allem durch verändertes Nutzerverhalten, nicht „nur“ durch KI.
  • Google passt Rankings an das an, was Nutzer wirklich konsumieren: Video, UGC, Foren, Podcasts.
  • Klicks gibt es weiter, aber vor allem für Inhalte mit Tiefe, Expertise und echter Perspektive.
  • Inline-Links in Overviews werden zur neuen Sichtbarkeitswährung: Brand + Zitat zählen stärker.

Warum sinkt der Traffic vieler Websites trotz guter Inhalte?

Weil Nutzer immer öfter Video, Foren und Creator-Formate bevorzugen und Google Rankings daran ausrichtet. AI Overviews verstärken den Effekt, sind aber nicht die Hauptursache.

Tabelle: Was sich im Nutzerverhalten verschiebt

Früher typischer Web-Klick Heute häufiger genutzt Effekt auf Publisher
Lange Blogartikel Short-Form-Video Weniger organische Klicks auf Textseiten
Ratgeberseiten Foren/UGC (z. B. Diskussionen) Vertrauen verlagert sich zu „echten Stimmen“
How-to-Artikel YouTube (z. B. Rezepte) Visuelle Inhalte gewinnen, Text verliert
Lesen statt Hören Podcasts Informationen wandern in Audioformate

Warum AI Overviews Googles Umsatz nicht zerstören

Liz Reid stellt klar, dass die Werbeerlöse rund um AI Overviews „relativ stabil“ geblieben sind. Das klingt kontraintuitiv, weil viele SEOs automatisch von weniger Klicks auf Anzeigen ausgehen. Der entscheidende Punkt ist jedoch: Nicht jede Suche war jemals eine Anzeigen-Suche. Viele Informationsanfragen, etwa zu Promi-Fakten, hatten vorher keine Ads und haben sie auch jetzt nicht. Gleichzeitig bleiben kommerzielle Suchanfragen kommerziell, denn wer Schuhe kaufen will, muss am Ende trotzdem kaufen.

AI Overviews helfen in der Recherchephase, aber der Kaufimpuls führt weiterhin zu Klicks oder Käufen. Zusätzlich senken Overviews die Hürde, überhaupt zu suchen, weil Antworten schneller verfügbar wirken. Das erhöht das Suchvolumen und kann sinkende Klickraten ausgleichen. Als Beispiel dient Google Lens: Menschen suchen mehr, weil sie Dinge einfach fotografieren, statt sie umständlich zu beschreiben.

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Tabelle: Das „stabile Umsatz“-Prinzip hinter AI Overviews

Mechanik Was passiert konkret Warum es Umsatz stabilisieren kann
Viele Queries ohne Ads Info-Suchen haben kaum Anzeigen Weniger Risiko für Werbeeinbruch
Commercial bleibt commercial Kaufabsicht endet nicht in der Overview Ads/Shopping bleiben relevant
Recherche vs. Conversion Overview klärt vor, Kauf folgt später Klick passiert später im Funnel
Weniger Reibung Nutzer fragen mehr, öfter, spezifischer Mehr Gesamtanfragen = mehr Chancen
Lens-Effekt Neue Suchtypen entstehen (Foto statt Text) Zusätzliche Suchanfragen kompensieren

Der echte Grund für Traffic-Verluste bei Publishern

Laut Liz Reid sind die Traffic-Drops vieler Websites vor allem ein Symptom eines viel größeren Wandels. Nutzer, besonders jüngere Zielgruppen, konsumieren Informationen anders als noch vor wenigen Jahren. Sie greifen zu kurzen Videos, statt lange Texte zu lesen, und sie vertrauen stärker auf UGC und Diskussionen, statt auf klassische redaktionelle Seiten. Außerdem ersetzt Audio in vielen Situationen das Lesen, weil Podcasts unterwegs leichter funktionieren.

Selbst bei scheinbar „klassischen“ Themen wie Kochen oder DIY wird YouTube für viele zur ersten Wahl, weil man Abläufe sehen will. In dieser Sichtweise ist KI nicht der alleinige „Dieb“ des Traffics, sondern eher ein Verstärker eines Trends, der bereits läuft. Google reagiert auf das, was Nutzer tatsächlich wollen, weil Google sonst Relevanz verliert. Und Relevanz ist in Search das Überlebensprinzip. Wer Traffic erklären will, muss deshalb Mediennutzung erklären, nicht nur SERP-Features.

Warum Google Rankings an Nutzerpräferenzen anpasst

Liz beschreibt ein Prinzip, das viele SEOs zwar vermuten, aber oft falsch interpretieren: Google „macht“ Trends nicht nur, Google folgt ihnen auch. Google betreibt User Research, testet Veränderungen und beobachtet, wie Nutzer mit Ergebnissen interagieren. Wenn Nutzer bestimmte Quellen bevorzugen, wird Google diese Quellen häufiger zeigen, weil das die Zufriedenheit erhöht. In ihrem Zitat steckt der Kern: Google muss darauf reagieren, von wem Nutzer Informationen hören möchten.

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Das bedeutet praktisch, dass Plattformen wie Foren oder UGC-Seiten bei bestimmten Intent-Typen profitieren können. Wenn Nutzer lieber eine echte Diskussion lesen als einen glatt polierten Blogbeitrag, kann der Thread vorne landen. Das ist keine „Strafe“ für Publisher, sondern eine Anpassung an Nachfrage. Für deine Content-Strategie heißt das: Du konkurrierst nicht nur gegen Websites, sondern gegen Formate. Und du konkurrierst nicht nur um Rankings, sondern um Aufmerksamkeit in einer Multi-Plattform-Welt.

Welche Inhalte trotz AI Overviews geklickt werden

Liz Reid nennt relativ klar, welche Inhalte in einer Overview-Welt weiterhin Klicks verdienen. Es sind Inhalte, die tiefer gehen als die Oberfläche und mehr liefern als eine Zusammenfassung. Dazu gehört echte Expertise, aber auch eine erkennbare menschliche Perspektive, also Erfahrung, Urteil, Einordnung und Handwerk. Google achtet dabei auf Signale wie „bounced clicks“, also Klicks, bei denen Nutzer sofort zurückspringen, weil das Ergebnis enttäuscht.

Overviews reduzieren solche Fehlklicks, weil sie Oberflächenwissen bereits bündeln und dadurch austauschbare Inhalte entwerten. Wer nur wiederholt, was überall steht, wird seltener „die nächste Stufe“ im Informationsprozess. Wer dagegen Tests, Daten, Vergleiche, klare Methoden oder echte Fallbeispiele liefert, bleibt attraktiv. Wichtig ist auch Vertrauen: Quellen, zu denen Nutzer bereits eine Beziehung haben, werden eher geklickt. Das stärkt Marken und Spezialisten gegenüber anonymen „Me-too“-Seiten.

Tabelle: Inhalte, die in Overviews gewinnen

Content-Typ Was ihn auszeichnet Warum Nutzer klicken
Deep Dives Mehr Tiefe als die Summary „Hier lerne ich wirklich etwas“
Expertise-Content Erfahrung, Methoden, Tests „Das ist belastbar“
Handwerk & Craft Zeit, Struktur, Qualität „Das ist sorgfältig gemacht“
Vertrauensquellen Wiedererkennung, Marke „Die kenne ich“
Perspektive Einordnung, Meinung mit Begründung „Das hilft mir bei Entscheidungen“

Inline-Links als neues Zitier- und Markenmodell

Ein besonders strategischer Punkt ist Liz’ Hinweis auf mehr Inline-Links in AI Overviews. Der Mechanismus erinnert an eine neue Form von „Zitier-Sichtbarkeit“: Nicht nur ein Quellenkasten, sondern Links direkt im Fließtext der KI-Antwort. Liz beschreibt sinngemäß, dass Google explizit sagen kann „Laut Quelle X …“ und daraus einen Klick erzeugen kann. Das ist mehr als Traffic, denn es ist Markenaufbau innerhalb der Antwort selbst.

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Selbst wenn der Nutzer nicht klickt, sieht er deinen Namen im Kontext von Autorität. Das kann dazu führen, dass Nutzer dich später direkt suchen oder deine Marke wiedererkennen. Für SEO bedeutet das: Sichtbarkeit ist nicht mehr nur „Position 1“, sondern „als Referenz genannt werden“. Wer die definitive Quelle zu einem klaren Teilthema ist, hat bessere Chancen, als Inline-Link aufzutauchen. Und wer als Inline-Link auftaucht, gewinnt langfristig Vertrauen, auch bei kurzfristig weniger Klicks.

Dead Internet, AI-Slop und warum Google Menschen sichtbar halten will

Als das Thema „Dead Internet“ und KI-Massencontent aufkommt, erkennt Liz an, dass es ein reales Problem ist. Wenn das Web mit austauschbaren KI-Texten geflutet wird, sinkt der Nutzen für Nutzer und damit auch der Wert von Search. Deshalb betont sie Maßnahmen, die menschliche Perspektive, Expertise und echte Eigenleistung aufwerten. Entscheidend ist die Abgrenzung: Inhalte, die nichts hinzufügen, werden leichter ersetzbar, weil die Overview ohnehin zusammenfasst. Inhalte, die einzigartig sind, bleiben wertvoll, weil sie nicht einfach rekombiniert werden können. Genau hier liegt eine klare Botschaft an Publisher: „Mehr vom Gleichen“ funktioniert schlechter.

Es geht um Originelles, um reale Erfahrungen, um Details, die nicht überall stehen. Wer eigene Tests, echte Beispiele, konkrete Fehler und Learnings dokumentiert, wirkt weniger „generisch“. Und genau diese Nicht-Generik ist das, was Google in einer AI-Ära dringend braucht, um Qualität von Masse zu trennen.

Fazit

AI Overviews sind nicht der Untergang von Search, sondern ein Umbau. Traffic sinkt oft, weil Nutzer anders konsumieren – und Google folgt ihnen. Wer jetzt nur „SEO wie 2019“ macht, verliert. Gewinner sind Marken, Spezialisten und Creator, die Tiefe, Perspektive und Handwerk liefern. Besonders wichtig werden Inline-Zitate in Overviews, weil sie Autorität sichtbar machen. Wenn du Inhalte so baust, dass sie die Quelle zu einem Teilthema sind, bekommst du Sichtbarkeit, Vertrauen und langfristig wieder Klicks.

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